Umgangsrecht? Von Herzen gerne

 

 

 

Umgangsberechtigte Väter fahren mit dem Nachtzug von München nach Hamburg, um an der Bushaltestelle um die Ecke von Lauras Wohnung „Jim Knopf und der Lokomotivführer“ vorzulesen oder um Laura zu zeigen, wie man im Stehen schaukeln kann.


 

Aber wer braucht eigentlich Umgang?


Umgangssprache

Umgangsbesuche am Wochenende gehören für viele inzwischen mehr zur Realität als der Kirchgang. Und doch können wir es kaum fassen, wenn wieder einmal ein Umzugswagen bei einer Familie vor der Tür steht. Damit auf die Trennung des Elternpaares nicht auch noch die Trennung vom Kind folgt, muss nun der Umgang geregelt werden. Im Interesse des Kindeswohls kann der umgangsberechtigte Elternteil nicht auf die Ausübung des Umgangsrechtes verzichten und ist sogar zum Umgang verpflichtet. Egal, wie weit die monatliche Reise zu seiner Dreijährigen ist.

 

Umgangsrecht und Besuchsrecht meint das Gleiche. Im Gesetz wird einheitlich das Wort „Umgangsrecht“ benutzt, weil eben gerade nicht nur Besuche des Kindes stattfinden sollen. Väter erinnern zu Recht daran, dass sie für das Kind kein „Besuchsvater" sein wollen. Mancher fühlt sich sonst wie ein entfernter Onkel, der zu besonderen Anlässen vorbeischaut und mehr oder weniger geduldet ist, weil er irgendwie zur Verwandtschaft gehört. Das klingt nicht gerade nach Wertschätzung und vertrauter Nähe.

 

Der juristische Begriff „Umgang“ nähert sich der einzigartigen Verbindung zwischen Vater und Kind schon eher an. Aber was für ein Wort!! Was versteht wohl ein Kind unter dem Begriff „Umgang“ ist. Ein „Umgang“ mit Papa ist auch nicht viel besser als sein „Besuch“, oder?

 

Und auch uns fehlt in dem juristisch korrekten Begriff „Umgang“ der Herzschlag.

Wie wollen wir von väterlicher oder mütterlicher Bindung reden angesichts der Erfahrung, wie instabil Bindungen sein können? Nach der Trennung oder Scheidung verschlägt es wohl allen erst einmal die Sprache. Es gibt wohl Zeiten, in denen ein Besuch des Vaters für das Kind erst einmal tatsächlich "kein guter Umgang" ist. Für alle anderen aber ist zu wünschen, dass die gemeinsame Zeit von Vater und Kind der beste Umgang ist, den sie sich nur wünschen können.

 

Die Trennung des Elternpaares ist für alle Familienmitglieder eine Zeit großer Emotionen. Umgang ist weder einfach nur "zu regelnder Umgang", noch ein Besuch.

Umgang ist für Väter eine Herzenssache. Warum reden wir dann trotzdem so paragraphennüchtern vom „Umgangsrecht“, während es doch um den zweijährigen Elias geht, der seinen Papa nach fünf Stunden Anreise in verdreckten Gummistiefeln begrüßt??

Umgang mit Gefühlen

Vielleicht umgehen wir mit dem nüchternen Begriff „Umgang“ das Wagnis, zu fühlen. Gefühle von Schuld und Versagen, Verlassensein und Angst angesichts der Erschütterungen, die eine Trennung bei Vater, Mutter und Kind mit sich bringt. Etliche Väter und Mütter haben noch dazu selber in ihrer Kindheit schon die Trennungsgeschichte ihrer eigenen Eltern erlebt. Oft bleibt da angesichts der eigenen Verletzungen kaum Raum, um die Bedürfnisse des eigenen Kindes wahrzunehmen und zu verstehen. Unvorstellbar erscheint gänzlich, den Umgang nun auch noch ausgerechnet mit demjenigen regeln zu müssen, dem man eigentlich nur noch aus dem Weg gehen möchte. Vielleicht ist es da doch hilfreich, dass es die nüchterne Formulierung eines „Umgangsrechtes“ nach § 1684 Absatz 1 BGB gibt! 

 

Kinder aber fragen so lange, bis sie ihre Welt verstehen. „Wie viel Taschengeld gibt es im Kindergarten? Warum fällt Regen nach unten? Und was ist noch mal Umgang?“

Nennen wir`s doch beim Namen! Googelt man Synonyme für „Umgang“, findet sich: „Verbindung“, „Brückenschlag“, “Berührung“, „Bindung“... Das Umgangsrecht ist also ein „Recht auf Brücken, Berührung und Verbindung“.

Wunderbar! Schon hört sich § 1684 Absatz 1 BGB für Kinderohren warmherziger an!

Umgang mit dem Umgang

Vater. Mutter. Kind. Auch, wenn sie nach der Trennung des Elternpaares längst kein Dreigespann mehr sind. Wie geht es weiter? Vielleicht lebt das Kind im Alltag beim Vater und die Mutter hat monatlichen Umgang mit ihrem Kleinkind. Vielleicht überlegt der Vater, ob er nicht doch im Auto schläft, weil die Umgangskosten durch die weite Entfernung so hoch sind.


Hoffentlich fühlt sich der umgangsberechtigte Elternteil am Wohnort seines Kindes nicht isoliert und stigmatisiert.Denn nicht nur Kinder brauchen Bindungssicherheit. Auch Eltern.


Wir meinen, der umgangsberechtigte Elternteil braucht am Wohnort des Kindes den sicheren Umgang mit einer Gemeinschaft außerhalb des Paarkonfliktes. In unserem Logo findet sich ein Bild dafür. In einem umgebenden großzügigen Kreis kann Vater und Mutter auch Abstand vom früheren Partner nehmen, ohne gleich völlig isoliert und stigmatisiert zu sein. Dazu braucht es die Erfahrung, mit der Gemeinschaft außerhalb des Familienkonfliktes weiterhin verbunden zu sein.

 

Wir bauen ein Flechtwerk für Eltern mit Trennungserfahrung auf. Dazu gehören bundesweit ehrenamtliche Gastgeber am Wohnort des Kindes. Unsere Gastgeber für den umgangsberechtigten Elternteil sind Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren und sich mitverantwortlich für die Umgangsgestaltung fühlen. Egal, ob der Vater aus dem Nachbardorf oder vom anderen Ende der Welt kommt.

 

Für unsere ehrenamtlichen Gastgeber ist der fremde Vater vertrauenswürdig, auch wenn die Mutter seines Kindes ihm als Partnerin nicht mehr vertrauen kann. Und er erlebt, dass es unbeteiligten Menschen in einer fremden Stadt am Herzen liegt, ob ein Kind mit beiden Eltern verbunden bleibt.

 

In den Tagen des Umgangs mit seinem Kind reist der Vater zugleich auch an den Ort der schmerzlichen Erinnerung an seine Trennung und Scheidung. Ausgerechnet hier erlebt der Vater nun durch seine Gastgeber das Geschenk von Vertrauen und die Ermutigung in seiner Elternschaft. Wenn das gelingt, dann ist der Umgang mit dem Kind kein einsames Wagnis mehr.


Suchst Du auch nach einer Lösung für Dich und Dein Kind?

Zaubern können wir auch nicht. Aber vieles ermöglichen! 

 

Flechtwerk 2+1 ist da, wenn Du willst.

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Was macht Flechtwerk 2+1 eigentlich? Wir vermitteln Vätern und Müttern nach der Trennung oder Scheidung kostenfreie Übernachtungsplätze am Wohnort ihres Kindes. Und wir kümmern uns am Wochenende um ein "Kinderzimmer auf Zeit".

 

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